Category Archives: Rezensionen, Besprechungen & Kritiken

SINBAD – Der Krater von Alexandria

Comics Rezensionen, Besprechungen & Kritiken SPLITTER

SinBad Title2

Aladin, dem dank der legendären Wunderlampe ein finsterer Djinn nahezu jeden Wunsch erfüllt, ist mittlerweile zum viel geliebten Kalifen von Bagdad geworden. Als der magische Diener ihm eines Tages eröffnet, dass er von der Hand seines Sohnes getötet werden wird, lässt er anordnen, all seine männlichen Nachkommen hinzurichten. Dies wiederum hört Aladins Haremsdame Daïna mit an, wodurch es ihr gelingt, ihr Kind vor dem blutigen Gemetzel zu retten, das der Djinn und die Wachen des Kalifen kurz darauf im Harem entfesseln.

Cover Sinbad Bd. 1

Cover Sinbad Bd. 1

Der überlebende Sprössling ist natürlich Sinbad, der schließlich vom gutmütigen Händler Merkes gefunden und aufgezogen wird. Sinbad wächst zu einem abenteuerlustigen, trickreichen und unerschrockenen jungen Mann heran und doch plagt ihn die Ungewissheit seiner Herkunft. So beschließt er eine Tages kurzerhand, sich auf die Suche nach seinen leiblichen Eltern zu machen. Damit ihm dies gelingt, benötigt er ein machtvolles, magisches Artefakt, den Krater von Alexandria. Dabei handelt es sich um einen Kelch, der es vermag, mit einem seltenen Wein befüllt, Geheimnisse aus der Vergangenheit zu offenbaren.

Nach einigen Eskapaden gelangt Sinbad schließlich auf die Insel der Zauberin Turabah, die den Krater besitzt. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass die unheimliche Magierin durchaus um die Kräfte des Kelches weiß. Und so bleibt unserem Helden natürlich keine andere Möglichkeit, als das Artefakt zu stehlen und sich aus dem Staub zu machen. Dies ist zunächst jedoch einfacher gesagt als getan, denn Turabahs Insel beheimatet viele teuflische Gefahren und es warten noch einige Überraschungen auf den findigen Abenteurer.

Zeichner Alary

Zeichner Alary

Die Bilder
In Sinbad erwachen die Märchen aus tausendundeiner Nacht zum Leben. Pierre Alary, dessen unfassbar schnellen, eleganten und dynamischen Strich man bei Splitter auch in der Reihe Belladonna und der Graphic Novel-Adaption des Herman Melville-Klassikers Moby Dick bewundern kann, lässt die Welt aus tausendundeine Nacht -Seite für Seite- neu entstehen. Dabei ist auch das kleinste Panel noch randvoll mit interessanten kleinen Details, jedes Bild ein Blick in eine exotische Welt der Fantasie und jeder Figur und jedes Wesen mit so viel Liebe und mit so viel Charme gestaltet, dass man nicht anders kann, als bei ihren Abenteuern mitzufiebern.

Autor Arleston

Autor Arleston


Die Story

Neben Alary sorgt aber auch die bunte Story des Star-Autoren Christophe Arleston für ein gerüttelt Maß an Spannung. Arleston, der für die ebenfalls bei Splitter erschienenen Reihen um Ythaq und Troy, sowie für die Ekhö-Serie als Szenarist fungiert, mixt ein wenig altes Altes Testament (die Tötung der Erstgeborenen und das Überleben Mose) ein paar Tropfen griechischer Mythen und eine Priese Fantasy unter die allseits beliebten Märchen aus dem Morgenland. Das fertige Produkt ist eine wahre Gaumenfreude für jeden Comic-Fan, der zwar sättigt, von dem man aber durchaus noch viel mehr vertragen könnte.

Fazit
Insgesamt bietet Sindbads erster Streich –Der Krater von Alexandria– eine kurzweilige Neuinterpretation mit einer fesselnden, dichten und durch und durch spannenden Story. Aber, wie heißt es doch so schön, das Auge isst mit. Und so bieten auch die Bilder in diesem märchenhaften Band, den reinsten Augenschmaus.
Wo Wort und Bild so harmonisch Hand in Hand gehen, da kann man getrost die Empfehlung aussprechen: Zuschnappen und bon Appetit!

Zur Leseprobe geht es >> hier << entlang.

Sinbad Bd. 1 – Der Krater von Alexandria


Autor: Christophe Arleston
Zeichner: Pierre Alary
Verlag: Splitter


Einband: Hardcover
Seiten: 64
Preis: 13,80 €

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AZIMUT – Hier bekommt die Zeit Flügel

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AZIMUTIn der Welt Azimut ticken die Uhren ein wenig anders, denn irgendwie spielt hier bei allem ein ganz spezielles Element eine große Rolle: Die Zeit.

Azimut Bd. 1

Azimut Bd. 1

Im vorliegenden ersten Band der Trilogie taucht der Leser, in Begleitung verschiedener Handlungsträger, in eine fantastische Welt ein, die stellenweise surreal, dadurch aber umso faszinierender wird. So begleitet man den Grafen Perock auf einer abenteuerlichen Seereise in den bisher unerforschten Westen. An Bord seines Schiffes befindet sich der liebeskranke Maler Eugen, der sich mehr seiner Arbeit an dem Portrait einer geheimnisvollen Schönheit widmet, als seiner eigentlichen Aufgabe als Expeditionsmaler. In Perocks Heimat, dem märchenhaften Reich Pondua, wirbt dagegen dessen König Irenas um die Hand der orientalischen Prinzessin Aisha. Zugleich begegnen der Kopfgeldjäger Major Schnäbel und sein flauschiger Begleiter Polo, dem Forscher Professor Uhrmacher, der versucht der Zeit ihre Geheimnisse zu entreißen.

Szenarist Lupano

Szenarist Lupano

So unterschiedlich die einzelnen Protagonisten und deren Handlungsstränge zunächst auch erschienen, sie alle weisen eine Gemeinsamkeit auf, die sie über kurz oder lang zusammenführt. Und als dann plötzlich der Nordpol verschwindet, nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Zeichner Andreae

Zeichner Andreae

Das Team um Autor Wilfrid Lupano und Zeichner Andreae erschafft eine so in sich stimmige, absurde, bunte und zugleich verwirrende Welt, dass man gar nicht anders kann, als sich von den liebevoll gestalteten Bildern, den witzigen Dialogen und überraschenden Wendungen, von Seite zu Seite treiben zu lassen.

Wer also auf der Suche ist, nach einer komplexen Handlung, die ohne Kompliziertheit auskommt und wer Bilder sucht, die ein Fenster in eine Welt öffnen, die trotz ihrer Fremdartigkeit nie fremd wirkt, der sollte sich für diesen wundervollen Band die Zeit nehmen.

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Azimut
Band 1: »Jäger der verlorenen Zeit«
Text: Wilfried Lupano, Zeichnungen: Jean-Baptiste Andreae
Aus dem Französischen von Tanja Krämling
Splitter Verlag, HC, Farbe, 48 Seiten, 13,80 €


Dieser Artikel erschien zuerst in ALFONZ 3/2014

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GUARDIANS OF THE GALAXY 03 – Kampf um die Erde

Comics Marvel Panini Rezensionen, Besprechungen & Kritiken

GotGIm ersten Band der Guardians of the Galaxy lernten wir die Herkunftsgeschichte ihres furchtlosen Anführers Peter Quill alias Star-Lord kennen. Wir erfuhren darüber hinaus, dass die Erde mit einem Tabu für alle angehörigen Sternenreiche des Rats der galaktischen Imperien belegt wurde.
Natürlich hielt das die Galaxienwächter, allen voran den erdengeborenen Star-Lord, nicht davon ab, sie gegen eine ausserirdische Invasionsstreitmacht zu verteidigen, die natürlich prompt über die Erde herfiel.

Im zweiten Band der Guardians of the Galaxy lieferte sich Star-Lord dann eine Rauferei mit dem wahnsinnigen Titan Thanos, während die restlichen Guardians überraschend miterleben, wie Angela auf Grund der diversen Temporalanomalien und Raumzeitverzerrungen der näheren Vergangenheit, auf der Bildfläche des Marveluniversums erscheint.

Darum geht es
Im vorliegenden dritten Band nun wurde unser Heimatplanet, im Rahmen des INFINITY-Crossovers durch Thanos und seine Schergen abgeriegelt. Somit ist den heimkehrenden Helden der Erde, der Rückweg.versperrt. Eindeutig eine Aufgabe für die Guardians of the Galaxy.

Cover GUARDIANS OF THE GLAXY 03

Cover GUARDIANS OF THE GLAXY 03

Da es der rachsüchtige Gamora im Rahmen dieser Geschehnisse offensichtlich nicht gelingt, ihrem Vater ob seiner Missetaten persönlich auf die Finger zu klopfen, schließt an die einleitende Geschichte ein weiteres Spotlight-Special an.
In diesem verfolgt die gefährlichste Frau des Universums, ihren Rabenvater eine Alienwelt, um ihn dort zu stellen. Dabei erfährt sie handfeste Unterstützung von Angela, die nach den Ereignissen im zweiten Band scheinbar als eine Art Reserve-Guardian fungiert.
Waren die beiden Damen bei ihrem ersten Aufeinandertreffen noch alles andere als dicke Freundinnen, schweißt sie die Aussicht auf ordentlich Kloppe ziemlich schnell zu einem schlagkräftigen Team zusammen.
Wer nicht genug von der streitbaren grünen Schönheit bekommt, dem bietet sich am Ende des Bandes mit einer Gamora-Kurzgeschicht eine weitere Gelegenheit.
Außerdem erfährt Rocket bei einem Kneipenbesuch, dass er vielleicht nicht der einzige sprechende Wasch…öhm…das einzige waschbärenähnliche Genexperiment dieser Galaxie ist.
Es bleibt also spannend!

Die Bilder
Die sind diesmal von sehr unterschiedlicher Qualität. Während die im Erdorbit stattfindende erste Story mal wieder ein typischer Marvelausrutscher aus matschigen Farben und eher skizzenhafter, leicht krakelig wirkender Linienführung ist, kommen Gamora und Angela dank Kevin Maguire und Justin Ponsor wieder voll zur geltung. Klar vermisst man den souveränen Strich von Sara Pichelli, aber gerade letztere vertreten sie hervorragend. Mal etwas ganz anderes ist dann wieder das Gamora-Soloabenteuer, dass sich durch Mike del Mundos Kolorierung und Zeichenstil stark vom restlichen Inhalt des Bandes abhebt. Ein kleines Kunstwerk am Ende des Bandes, getreu dem Motto: Das Beste kommt am Schluß.

Fazit
Der dritte Band der Guardians of the Galaxy schwächelt ein wenig daran, dass die Hauptstory nur ein Lückenfüller für die Serienübergreifende INFINITY-Story darstellt und die restlichen Geschichten von stark inkonsistenter Qualität sind. Ein wahrer Guardians-Fan lässt dich davon aber nicht irritieren und erfreut sich an den ausgesuchten Leckerbissen, die sich in diesem Comic verbergen.

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Guardians of the Galaxy 03 – Kampf um die Erde von Brian M. Bendis uvm. erscheint mit 100 Seiten im Softcover, für 12,99 € bei Panini

 

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HIPSTERS versus…

Comics JAZAM Kwimbi Rezensionen, Besprechungen & Kritiken Zwerchfell

Hipsters2Die lieben Kollegen von JAZAM haben mir kürzlich eine ganz besondere freude gemacht und mir ein Rezensionsexemplar von Adrian vom Baurs Hipsters versus… zugeschickt. Bevor ich aber auf dessen Inhalt eingehe, möchte ich vorab auf folgende Frage eingehen:

Was sind Hipster?

Hipster ist ein im frühen 21. Jahrhundert in den Medien verbreiteter, zumeist etwas spöttisch gebrauchter Name für eine Subkultur, deren Angehörige ihrem Szenebewusstsein – bei Gleichgültigkeit dem Mainstream gegenüber – ignorant bis extravagant Ausdruck verleihen.

-dt. Wikipedia

In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Hipster-Kultur vor allem durch zwei Dinge charakterisiert.
Das Eine ist der hipstertypische Modestil, der sich sowohl bei den großen Subkulturen der 1940er Jahre bedient, als auch bei den zeitgenössischeren Emos.
Nerdbrillen, Bärte, Flanellhemden, Röhrenjeans, aber auch Tattoos, Piercings und der Besitz von Apple-Produkten brandmarken den Hipster.
Das Andere ist, der vergebliche Versuch, als individuell zu erscheinen, was allein schon durch den Fakt ad absurdum geführt wird, dass das Hipstertum als Subkultur gleichgesinnte Anhänger versammelt.
Einziger Ausweg aus diesem Dilemma: Der wahre Hipster würde nie zugeben, ein Hipster zu sein.

Darum geht es
Nachdem das nun geklärt wäre, kann man sich ein ziemlich gutes Bild von den Protagonisten des Comics machen. Hauptakteur Leo ist der absoluter Urvater aller Hipster. Er kannte jeden und alles, und zwar genau schon zu der Zeit, wo sie noch nicht jeder kannte und sie cool fand. Auch in seinem Kleidungsstil drückt sich diese oft großkotzig, überhebliche Haltung aus, denn alles was er trägt ist entweder total trendy oder ein ironisches Statement gegen den Mainstream, je nachdem, was die Situation gerade erfordert.

Cover HIPSTERS versus...

Cover HIPSTERS versus…

Stets mit von der Partie sind seine treuen Gefährten, Nike, die einzig sein prätentiöser Charakter davon abhält, ihm auf ewig zu verfallen, Steven, der Hipster-Nerd und Tom, die vollbärtige Hipster-Antwort auf South Parks Kenny.
Gemeinsam erlebt die hippe Clique ganz erstaunliche Abenteuer, die sie auf Vampire, Dinosaurier, zeitreisende Aliens (oder doch nicht?) und Killerroboter treffen lässt und sie in die Hölle, den Himmel und noch ganz andere Dimensionen führt. Wenn man Hipsters auch nicht unterstellen kann, dass alle Geschichten einen Sinn ergeben, so glänzen die absurden Episoden jedoch stets durch Unvorhersehbarkeit und ein schier unfassbares Maß an Fantasie.
Hipster balanciert zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Kunst und Klamauk, ist sich dabei aber stets seiner ureigensten Aufgabe bewußt: zu unterhalten.

Gastbeiträge
Wer am Ende der baurschen Reise gerne noch verweilen will in der Welt der Hipster, der wird am Ende des Buches dazu eingeladen, dies mit den Gastbeiträgen anderer Zeichner zu tun. Hier interpretiert, verulkt und verhunzent eine Auswahl des feinsten, was die deutsche Comicszene derzeit herzugeben vermag: David Füleki, Tim Gaedke, Heiko Hörnig & Marius Pawlitza, Schlogger, Maximilian Hillerzeder und Dominik ‚Pete‘ Wendland.

Mut zur Lücke
Dieser Band hat fast alles: Polarisierende Charaktere, lustige Stories, interessante Wendungen und coole Gastbeiträge. Was er nicht enthält sind die ersten zwei Comics der Hipster-Reihe Hipsters versus Monsters und Hipsters vesus Zombies. Diese wurden nicht mit in den Band aufgenommen, da sie „‚ursprünglich in anderen Print-Publikationen erschienen waren und vom Format und Stil her nicht in dieses Buch gepasst hätten.“
Da aber schon der erste Strip ein besonderes Storyelement der Hipsterabenteuer einführt, möchte ich euch diese nicht vorenthalten und habe sie dort oben für euch verlinkt.

Fazit
Hipsters versus… ist ein schönes Beispiel dafür, was Webcomic so beliebt macht und dass sie auch in Buchform, also ausserhalb ihres natürlichen Elements, weiterhin  funktionieren. Die Zeichnungen sind lustig, die Geschichten abgedreht und der Humor kommt bei alledem auch nicht zu kurz.
Was will man mehr?

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Hipsters versus… von Adrian vom Baur erscheint mit 80 Seiten im Softcover, für 14,- € bei Zwerchfell und kann direkt im JAZAM!-Web-Shop oder über den Webcomicshop Kwimbi geordert werden.

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JACK THE RIPPER – Bloody Hell!

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Jack the Ripper2Erinnert ihr euch noch, dass ich in dem Beitrag zu Asgard auch die Splitter Doubles vorgestellt habe? Nicht? Na, dann holen wir das mal schnell nach, bevor es gleich zum nächsten spannenden Band dieser Reihe geht. Und der hat es wirklich in sich.

Die Splitter Double-Alben fassen kurze Comic-Reihen, in einer großformatigen Gesamtausgabe zusammen. Somit bietet euch Splitter abgeschlossene Stories und kompakten Lesespaß, zu einem äußerst günstigen Preis in einem Buch an. Mehr zu den anderen Double-Alben findet ihr hier.

So! Da wir das nun geklärt haben, geht es auch gleich ohne viel Federlesens weiter zur Rezension des Doubles Jack the Ripper:

Worum es geht
Bei Jack the Ripper handelt es sich um einen Krimi der ganz besonderen Art. Liegt der Reiz vieler Kriminalgeschichten darin, den Mörder zu erraten, noch bevor er auch im Rahmen der Erzählung enthüllt wird, beginnt die Geschichte Jack the Rippers mit eben dieser Enthüllung:

"Ich Frederick Abberline... Ich bin Jack the Ripper."

„Ich Frederick Abberline… Ich bin Jack the Ripper.“

BUMM! Der saß. Doch anders als gewohnt ist der Fall mit der Entdeckung der Identität des Missetäters nicht zu ende. Viel mehr berichtet der Comic von den Umständen, die den Verblichenen davon überzeugen, selbst der Schlitzer zu sein.
Dabei folgen wir Frederick Abberline, seines Zeichens Inspektor der Central Office Division des Schotland Yard, durch die finsteren Gassen der Elendsviertel des frühindustriellen Londoner East-Ends. Dort ist er selbst nämlich mit der Aufklärung im Fall des als Jack the Ripper bekannten Serienmörders betraut. Wer nun anmerken mag, das sei ja ein Leichtes, da er selbst doch der Mörder sei, dem soll gesagt sein, die ganze Warheit ist dies nicht. Denn wo bliebe denn da der krimitypische Rätselspaß, wenn allein die Kenntnis der Personalien des Täters schon alles wäre.
So lassen die, bei den Ermittlungen auftretenden Irrungen und Wirrungen, Abberline auch bald auf eine internationale Verschwörung stoßen und zwischenzeitlich gar eine Reise nach Paris unternehmen. Als ihn schließlich seine Vergangenheit in den londoner Elendsvierteln einholt, ist der Umstand schon fast vergessen, wer der Protagonist eigentlich sein soll, bei dessen spannenden Abenteuern man da mitfiebert.
Bei diesem Comic ist definitiv der Weg das Ziel. Denn wenn der Mörder der Geschichte schon bekannt ist, so muß die typische Krimi-Spannung durch das Verfolgen von dessen Werdegang aufkommen.

Die Macher
Francois Deboises Zeichnungen fangen die Idee eines spätviktorianischen Londons sehr stimmungsvoll ein. Die nebligen Straßen und Gassen, die Kleidung und Menschen, alles unterstreicht die düstere Stimmung einer Stadt, die atemlos der nächsten Greueltaten des diabolischen Gewaltverbrechers harrt.
Und während zugleich der Fortschritt die Menschheit in neue Höhen zu heben verspricht, stürzt die resultierende Arbeitslosigkeit einen großen teil der Bevölkerung in Armut und Elend. Auch diesen Zwiespalt spiegeln die Handlungsträger selbst wieder. So verkommt der stattliche Abberline immer mehr zum ungepflegten, von seiner Besessenheit Getriebenen, während sein moppeliger Sidekick George zum Ende hin immer mehr einem eleganten Helden ähnlich wird.
Wer schließlich nicht genug von Deboises Arbeit bekommen kann, dem gibt Splitter im Anhang an den eigentlichen Comic noch die Möglichkeit einige Arbeitsskizzen und Notizen des Künstlers zu begutachten.

Cover Jack the Ripper

Cover Jack the Ripper

Jean-Charles Poupards Story besitzt eine faszinierende Tiefe, die sich gar nicht erst mit den üblichen Ripper-Klischees beschäftigt. Stattdessen zeichnet er ein Bild voller Spannung und Intrige, das den Leser bis zur letzten Seite nicht losläßt. Verschwörungen, politische Interessenkonflikte, familiäre Streitigkeiten, finstere Geheimnisse, die in einer nebelhaften Vergangenheit lauern; diese Geschichte hat einfach alles. Und am Ende? Tja am Ende steht die Gerechtigkeit. Doch ob sie nun den Ripper ereilt oder jene, deren Schicksal über diese dichte Erzählung untrennbar mit dem seinen verbunden ist, lest selbst.

 


Fazit

Wem Gangs of New York oder From Hell gefallen hat, der findet die Stimmung dieser Filme in Splitters bisher spannendster Kriminalgeschichte wieder. Jack the Ripper vereint atmosphärische Bilder und eine spannend erdachte, abwechslungsreiche Story zu einer der besten Geschichten, die sich je den Stempel des Rippers aufdrücken durften.

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Jack the Ripper von Francois Debois und Jean-Charles Poupard erscheint mit 112 Seiten im Hardcover, für 22,90 € bei Splitter

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EKHÖ – Nicht alles was spiegelt, glänzt auch

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EkhöLudmilla Tiller hat auf ihrem Flug nach New York eine eigenartige Erscheinung. Ein kleines Kapuzenmännchen fordert sie auf, das Erbe ihrer verschollenen Tante anzunehmen. Perplex willigt sie ein, worauf ihr Flugzeug auch prompt vom Blitz getroffen wird und Ludmilla damit in die Spiegelwelt Ekhö versetzt, ein ganz eigenes Wunderland, das vor märchenhaften Gestalten nur so wimmelt.

© 2014 Splitter/Arleston/Barbucci

© 2014 Splitter/Arleston/Barbucci

Da indes die Rückkehr zur Erde unmöglich scheint, beschließt Ludmilla kurzerhand, sich mit der neuen Lage zu arrangieren. Ein löbliches Vorhaben, das aber im Chaos versinkt, als sie erfährt, dass ihre Tante ermordet wurde. Somit treten zunächst alle Fragen betreffend der Spiegelwelt und welche Rolle in ihr eigentlich die geheimnisvollen Preshauns spielen in den Hintergrund.

Zeichner Alessandro Barbucci

Zeichner Alessandro Barbucci

Alessandro Barbucci, bekannt durch Skydoll und Monster Allergy, gelingt es auch in diesem Band, ernstere, absurde und komische Elemente perfekt miteinander zu verquicken. Man folgt seinen faszinierenden Figuren durch das spiegelweltliche New York, das wie ein exotischer Mix aus einer, von der Natur zurückeroberten Ruinenstadt und einem Märchenkönigreich wirkt, über dem Drachen kreisen und in dem Elektrizität ein Fremdwort ist.

 

 

Christophe Arleston

Christophe Arleston

Leider kann die Story des Troy-Autoren, Christophe Arleston, mit diesen Bildern nicht mithalten. Grund dafür ist der gescheiterte Versuch, zu viele unausgegorene und teils überflüssige Ideen in einen einzelnen Band zu quetschen.
Unterm Strich, kann die recht dünne Haupthandlung so nicht überzeugen und findet auch in den wenigen komischen Episoden nicht ihre Rettung. Vielmehr laden diese zum ausgiebigen Fremdschämen ein, da der Gag hier des Öfteren auf Kosten der weiblichen Handlungsträger geht.
Insgesamt hat Ekhö viel Platz nach oben und es bleibt zu hoffen, dass dieser in kommenden Bänden auch ausgenutzt wird.

 

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Ekhö – Spiegelwelt
Band 1: »New York«
Text: Christophe Arleston,
Zeichnungen: Alessandro Barbucci
Aus dem Französischen von Tanja Krämling
Splitter, HC, Farbe, 64 Seiten, 14,80 €


Dieser Artikel erschien zuerst in ALFONZ 2/2014

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WAISEN 01 – Das Ende ist erst der Anfang

Comics Cross Cult Rezensionen, Besprechungen & Kritiken

orfani-bonelli-official-620x280Der Angriff einer ausserirdischen Macht hat ein Sechstel der gesamten Menschheit ausgelöscht. Die überlebenden dieses Massakers bereiten sich nun für die große Gegenoffensive vor, doch wer ist der geheimnisvolle Feind und welchen Grund hat er für den verheerenden Schlag gegen die Menschen der Erde?

Darum geht es

Cover WAISEN 01

Cover WAISEN 01

Was jetzt etwas nach Starship Troopers klingt, wird aber durch einen speziellen Kniff zu etwas ganz besonderem. Denn wie der Titel bereits andeutet, erzählt Waisen nicht die Geschichte eines beliebigen Armee-Regiments, dass mit überlegener Technologie auf dem Weg ist, die fiesen grünen Männchen vom Mars auszurotten.
Stattdessen erlebt man die Katastrophe, die folgenden Jahre des Wiederaufbaus und schließlich den Aufbruch zu den feindlichen Sternen, aus der Sicht von Kindern. Für diese sind die Ereignisse um den Alienangriff zugleich so traumatisch wie einschneidend. Von einem Moment auf den anderen, verändert sich ihre Welt und ihr gewohntes Leben vollkommen. Nichts wird je wieder so sein, wie es einmal war.
Diesen Umstand nimmt das Militär nun als starken Motivator, um in den Kindern das Feuer des Hasses zu schüren und sie in der schwärenden Glut zu den Waffen der Rache zu schmieden.
Dabei wechselt die Erzählung immer wieder zwischen den Zeitebenen, sodass man einmal hautnahe erfährt, wie die gnadenlose Ausbildung aus den schockierten, hilflosen Waisenkindern, Schritt für Schritt, kampfgestählte Killer macht, um dann wiederum zu verfolgen, wie diese als fertiger Elitetrupp den Sturm auf die verhassten Aliens anführen.
So durchlebt der Leser, gemeinsam mit den namensgebenden Waisen einen vollständigen Lebensabschnitt und fiebert mit, wenn der buntgemischte Trupp aus authentisch gezeichneten Individuen von einem Abenteuer ins nächste stürzt. Dabei lernt man die Weisen ein wenig näher kennen, sowohl als einzelne Charaktere, wie auch im Zusammenwirken als Gruppe.

Die Schöpfer

Autor Roberto Recchioni

Autor Roberto Recchioni

Autor Roberto ‚RRobe‘ Recchioni, Chefredakteur der italienischen Kult-Comicreihe Dylan Dog, zeichnet für Story und Dialoge der Waisen verantwortlich. Und diese sind schlicht und einfach fesselnd. Von den coolen, einprägsamen Sprüchen, die ein jeder Held mindestens einmal von sich zu geben hat, bis zu längeren Dialogen, die den militärischen Einsatz von Kindern aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Einmal angefangen, wird der Leser erst wieder aus der Welt der Orfani entlassen, wenn er schließlich die letzte Seite verschlungen hat.

 

 

Zeichner Emiliano Mammucari

Zeichner Emiliano Mammucari

Zeichner Emiliano Mammucari gibt der Serie ein Gesicht. Zusammen mit Recchioni, den er seit frühester Jugend kennt, entwickelte er die unverschnörkelte Optik der Welt der Waisen. Mit klarem Strich und einem untrüglichen Gespür für Perspektive und Spannung, lenkt Mammucari das Auge des Betrachters fließend und mühelos von Seite zu Seite. Dabeigelingt es ihm ebenso die ruhigen und sehr persönlichen Momente zwischen den Handlungsträgern einzufangen, aber auch die explosive Action der Schlacht, die so eine ganz eigene Choreografie des Todes erfährt.

 

Fazit
Die Waisen haben mich von der ersten Seite an begeistert, fasziniert, gefesselt und auch ein kleines bisschen nachdenklich gemacht. Zwar spielt die Geschichte in einer fernen, fiktiven Zukunft, jedoch sind uns auch heute weder Krieg, noch Kindersoldaten, Fanatismus oder Massenmord fremd.
Die Waisen überzeugt mit einer glasklaren Optik, stimmigen und interessanten Dialogen, knallharter Action und einer Story die definitiv Lust auf mehr macht.

Hier geht es zur >>Leseprobe<<

Waisen 01 von Roberto Recchioni und Emiliano Mammucari erscheint mit 208 Seiten im Hardcover für 16,80 € bei Cross Cult.

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SPASS TREK – Phaser auf Spaß

Panini Rezensionen, Besprechungen & Kritiken Star Trek

MATTHIASKRINGESPASSTREK_Hardcover_144Ich hatte vorab schon viel Gutes von Matthias Kringes Spass Trek gehört und gelesen. Auf der diesjährigen FedCon durfte ich dann endlich einen ersten Blick hinein werfen. Nur kurze Zeit später, schnappte mir eine Dame im Seven of Nine-Kostüm eben jenes letzte Exemplar aus den Händen. Bevor ich auch nur protestieren konnte, war diese Person jedoch schon wie vom Erdboden verschluckt. Als habe sie sich in Luft aufgelöst…
Rückblickend bin ihr deshalb aber nicht gram, denn wer einmal einen Blick in den Band geworfen hat, der kommt so schnell auch nicht mehr heraus. Sowohl aus dem Lesen, als auch aus dem Lachen.

Cover Matthias Kringe: Spass Trek

Cover Matthias Kringe: Spass Trek

Ob nun das klassische Raumschiff Enterprise, das nachfolgende nächste Jahrhundert, die Raumstation Deep Space Nine, oder die Reiseabenteuer der Voyager, sogar die sonst eher stiefmütterlich behandelte Serie Enterprise zieht Kringe durch den Johannisbeersaft und deckt dabei erstaunliches auf.
Wer schon immer wissen wollte, woher der Klingone seine Falten hat, wie Tuvoks meditative Freizeitgestaltung aussieht und was es eigentlich mit den blauen Mustern auf Chakotays Stirn auf sich hat, hier erfährt er es.

Auch wenn so manche Seite vielleicht ein paar Panels mehr vertragen hätten, platzen die vorhandenen vor ulkigen Ideen schier auseinander. Selbst vor Crossovern mit beliebten TV-Serien wie Akte X, Lost, Mr. Bean oder Monk wird da nicht zurückgeschreckt. Dabei trifft aber jede noch so abstruse Pointe ins Schwarze und verursacht zuweilen herzhafte Kicheranfälle.

Ein absolutes Highlight des Bandes ist dann der Auszug aus dem klingonischen Original von Max und Moritz.
Auf einmalige Art und Weise verschmelzen hier das kultige Pop-Phänomen Star Trek, mit einer der klassischsten deutschen Bildergeschichten. Faszinierend!

Für miesepetrige Star Trek-Fanatiker ist dieses Album zwar nichts, aber jeder, dem nicht bei einem Transporterunfall die Humordrüse verloren ging, wird hier auf jeder Seite etwas zum schmunzeln, kichern oder zumindest zum kalauer-seufzen haben.

Hier gehts zur >> Leseprobe << ein auführliches Interview mit Matthias gibt es >> hier <<

Matthias Kringe: Spass Trek erscheint mit 64 Seiten im Hardcover für 9,99€ bei Panini

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REVIVAL – Da ist was faul im Staate Wisconsin

Comics Cross Cult Rezensionen, Besprechungen & Kritiken

REVIVALIm US-Bundesstaat Wisconsin kehren plötzlich die Toten zurück. Die sogenannten ‘Erweckten’ sind meist harmlos und von ihrer Rückkehr ebenso überrascht, wie ihre Hinterbliebenen, die versuchen, sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Als sich unheimliche Vorfälle im Zusammenhang mit ‘Erwachten’ zu häufen beginnen, macht sich die Polizistin Dana Cypress auf, den wohl mysteriösesten Fall ihrer Karriere aufzuklären.

Nicht noch ein Zombiecomic
Revival ist auf keinen Fall ein weiterer Trittbrettfahrer auf der aktuellen Zombiewelle. Viel mehr folgen Eisner Award-Gewinner Mike Norton (Trinity) und Zeichner-Multitalent Tim Seeley (Hack/Slash) einem Erfolgs-Rezept, dass ein todsicherer Garant für eine faszinierende und interessante Geschichte ist: Ein neues, interessantes Element wird dem Alltäglichen hinzugefügt und die die unausweichlichen Auswirkungen, die dieses Neue auf die uns bekannten Gegebenheiten hat, führt den Leser Schritt für Schritt in eine Welt, die gleichermaßen fremdartig und faszinierend, dabei aber auf eine Art vertraut ist, die uns bisweilen einen kalten Schauer über den Rücken jagt.

Cover REVIVAL Band 1

Cover REVIVAL Band 1

Blutige Bilder und spannende Story
Aber nicht allein die irrsinnige Tatsache, dass die kürzlich Verstorbenen plötzlich wieder Teil des “normalen” Lebens sind, macht Revival so fesselnd, auch die lebendigen Handlungsträger und das kleinstadttypische Beziehungsgeflecht in dem sie sich bewegen, bietet einen Interessanten Rahmen für eine wirklich faszinierende Story. Mit klarem, routiniertem Strich bannt Seeley diese Welt auf Papier, mit Bildern, teils blutig, teils schaurig aber immer stimmig im Anbetracht des Übernatürlichen im Alltäglichen.

Fazit:
Für mich ist Revival ein eindeutiger Geheimtipp. Wer einen tollen Comic sucht, mit einer faszinierenden Story, messerscharfen Zeichnungen und dem todsicheren Potential für die ein oder andere Gänsehaut, hier hat die Suche ein Ende. Das einzige Problem an diesem Comic ist, dass er in mehreren Bänden veröffentlicht wird und man so gezwungen ist, der Fortsetzung dieses Abenteuers entgegenzufiebern. Ein Fieber, dem ich mich gerne hingebe.

Hier geht’s zur >>Leseprobe<<

Revival von Tim Seeley und Mike Norton erscheint mit 128 Seiten im Hardcover für 18,- € bei CrossCult

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