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Game of Thrones Band 2

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Mitte Juni 2013 erschien bei Panini der zweite Band der Graphic Novel-Umsetzung von George R. R. Martins Fantasy-Epos „Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer“. Nach den Geschehnissen des ersten Bandes führen uns Daniel Abraham, der für die Comicadaption verantwortlich zeichnet und Tommy Patterson, der für die Umsetzung als Zeichner fungiert, einmal mehr in die Sieben Königreiche und auf die verschlungenen Pfade, welche die Helden und Schurken dieser epischen Welt, auf ihren Abenteuern beschreiten.

Der Zwerg, der Wolf und der Drache
Im zweiten Band erleben wir, wie Jon Schnee, einziger unehelicher Sohn der Familie Stark, sein Leben an der Großen Mauer und in der Gemeinschaft der Nachtwache beginnt, die ihr Leben dem Schutz der Menschen vor den sagenhaften Schrecken jenseits der Mauer gewidmet haben. Von dort bricht Tyrion, zwergenhafter Spross des berüchtigten Adelshauses Lennister, in Richtung der Reichshauptstadt auf. Unverhofft trifft er aber auf Catelyn Stark, die ihn prompt gefangen nehmen lässt und auf ihren Familienstammsitz entführt, um ihn dort wegen seiner Verbrechen vor Gericht zu stellen. Zwischenzeitlich ist Eddard Stark in der Hauptstadt angelangt und nimmt dort seinen Platz als rechte Hand des Königs ein. Während man ihm zu Ehren ein prunkvolles Turnier veranstaltet, wird er zugleich immer tiefer in das höfische Ränkespiel verwickelt und beginnt zu ahnen, dass der Tod seines Vorgängers alles andere als ein natürlicher war. Währenddessen erreichen jenseits des Meeres, die letzten Erben des Herrscherhauses Targaryen die Hauptstadt des Nomadenvolkes der Dothraki. Von dort aus erhofft sich Viserys, der selbsternannte Drache, mit einer Armee in die angestammte Heimat aufzubrechen und diese im Sturm zurückzuerobern. In seiner Schwester Daenerys, inzwischen mit dem mächtigen Khal Drogo vermählt, und mit dessen Kind unter dem Herzen, keimen jedoch vermehrt Zweifel auf, ob ihr Bruder tatsächlich würdig ist, König zu werden. Natürlich ist das noch lange nicht alles, denn blutige Kämpfe, Ritterturniere und überraschende Wendungen sind ein fester Bestandteil der Welt des Liedes von Eis und Feuer.

COVER - Game of Thrones - Das LKied von Eis und Feuer - Band 2Struktur und Ordnung
Eingeleitet wird „Game of Thrones – Band 2“ durch ein Vorwort des Autors und Panini-Redakteurs Christian Endres, in dem er die Geschehnisse des ersten Bands rekapituliert, was bei der martin-typischen Informationsdichte ein absolutes Muss darstellt. Weiter geht es dann mit der bereits aus dem ersten Band bekannten Schautafel, auf der die meisten Figuren der Handlung nochmals vorgestellt werden. Hier beginnt man bereits zu erahnen, was der Band in grafischer Hinsicht zu bieten hat und wo seine Stärken und Schwächen liegen. Doch dazu später mehr. Die Graphic Novel selbst ist in sechs Kapitel aufgegliedert und die Wechsel zwischen den einzelnen Handlungsträgern und deren Blickwinkel auf die Welt, werden wiederum durch die unterschiedliche Farbgebung der Textelemente kenntlich gemacht. Abschließend erfährt man in einigen kurzen Sätzen noch ein paar nähere Informationen über George R. R. Martin, Daniel Abraham und Tommy Patterson.

Angriff der Klone
Inhaltlich bleibt auch der Folgeband der Reihe, dem Konzept treu, bis auf die notwendigen Kürzungen des Stoffs, um keinen Millimeter von der erfolgreichen Romanvorlage abzuweichen. War dies im Vorgängerband noch damit zu erklären, dass man zunächst das Zielpublikum nicht durch allzu wilde Experimente verschrecken wolle, musste auch dort schon bemängelt werden, dass kein Bild stark genug war, um länger in Erinnerung zu bleiben und mangels deutlicherer Worte, wurde die Arbeit des Zeichners als ‚solide‘ umschrieben. Unweigerlich drängt aber mittlerweile die Frage in den Vordergrund, ob der Zeichner sich hier nicht einen Bärendienst erwiesen hat, denn wo die Romanvorlage und auch die TV-Adaption von der schillernden Vielfalt der unterschiedlichen Charaktere lebt, scheint gerade dies nicht unbedingt Pattersons Stärke zu sein. Zwar unterscheiden sich die einzelnen Figuren gelegentlich in Haartracht und Kleidung und tragen vereinzelt gar Bärte und Narben zur Schau, man kommt aber nicht umhin, sich bei dem Gedanken zu ertappen, dass sich beispielsweise die fünffache Mutter, Catelyn Stark, rein äußerlich doch kaum von den anderen üppigen aber puppenhaften Frauen unterscheidet, welche die Seiten des Comics bevölkern. Die meisten Figuren könnten dabei ohne weiteres, aus einem beliebigen 90er-Jahre-Superheldencomic entsprungen sein. Als beispielhaft für diese bisweilen recht irritierende Beliebigkeit der Charakterdarstellung, ist hier die letzte Seite des Comics zu erwähnen. Für sich allein genommen, hält sich hier ein bärtiges Zwillingspaar in den Armen, tatsächlich handelt es sich aber um den schwer verletzten Eddard Stark und seine ermordete Leibwache.

Fazit
Insgesamt erfüllt der zweite Band der „Game of Thrones“-Comicadaption also die vormals geäußerte Befürchtung, dass die Nachfolgebände zu bebilderten Kurzzusammenfassungen der Bücher avancieren könnten. Guten Gewissens, kann man die Bände daher nur an Hardcore-GoT-Fans weiterempfehlen und es bleibt abzuwarten, ob ihre Schöpfer vielleicht doch noch die Kurve kriegen und das Lied von Eis und Feuer auch in der neunten Kunstform erklingen zu lassen.

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Game of Thrones Band 2 mit 196 Seiten im Softcover erscheint bei Panini Comics. Preis: 19,95 Euro


Dieser Artikel wurde zuerst auf micomics.de veröffentlicht

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